Die Geschichte des Biers


Bier in der Antike 
Die Entstehung des Bieres kann heute nur sehr ungenau datiert werden. Im britischen Museum in London sind 2 Schiefertafeln ausgestellt, die im Jahre 1926 von einem Wissenschaftler auf ein Alter von etwa 9000 Jahren datiert worden sind. Nach Meinung dieses Mannes, E. Huber, handelt es sich bei den Abbildungen auf diesen Tafeln um das Schroten des Emmers (einer vorzeitlichen Getreidesorte, die zur Bierherstellung verwendet wurde). Er schloß daraus, daß es sich um den möglicher- weise ältesten Nachweis der Bierherstellung handeln müsse. Neuere Forschungen ergaben ein vermutlich jüngeres Alter der Tafeln und ziehen auch die Verbindung zum Brauprozeß in Zweifel. Die ältesten nachweisbaren Überlieferungen datieren etwa aus dem 4. Jahrtausend vor Christi Geburt aus dem Lande der,
Sumerer
Das Land der Sumerer umfaßte das südliche Mesopotamien (auch Zweistromland genannt - zwischen Euphrat und Tigris gelegen). Durch einen Zufall entdeckten die Sumerer den Gärungsprozeß. Was sich damals genau zugetragen hat, weiß heutzutage natürlich niemand mehr genau, aber es könnte sein, daß ein einfaches Stück Brot naß geworden ist und schlicht vergessen wurde. Nach kurzer Zeit begann das Brot zu gären und somit entstand ein "berauschender" Brei. Die Sumerer verstanden es, diesen Prozeß zu wiederholen und brauten somit als vermutlich erstes Kulturvolk dieser Erde Bier. Sie hatten ein "göttliches Getränk" ,
Babylonier 
werden das herrschende Kulturvolk im Zweistromland. Ihre Kultur baute auf der sumerischen auf, folglich beherrschten auch sie die Kunst des Bierbrauens. Es ist uns heute bekannt, daß die Babylonier es bereits verstanden 20 verschiedene Biersorten zu brauen. Davon sollen 8 aus reinem Emmer, weitere 8 aus reiner Gerste und 4 aus einem Getreidegemisch gebraut worden sein. Das Bier jener Zeit war trüb und ungefiltert. Man benutzte einen Vorläufer des Strohhalms, ein dünnes Röhrchen, um nicht die Rückstände der Bierbereitung in den Mund zu bekommen, da diese recht bitter waren. Lagerbier wurde sogar bis in das 1000 km entfernte Ägypten exportiert.
Hammurabi, ein bedeutender babylonischer König und Reichsgründer, erließ zur damaligen Zeit die älteste uns bekannte Gesetzessammlung. In diesen Texten wurde unter anderem ein Gesetz gefunden, daß der Bevölkerung Babyloniens eine tägliche Ration Bier zusicherte. Die Biermenge war abhängig vom sozialen Stand des Einzelnen. So erhielten zum Beispiel normale Arbeiter zwei Liter Bier, Beamte erhielten drei Liter und Verwalter und Oberpriester sogar 5 Liter Bier täglich. Zu jener Zeit wurde Bier nicht verkauft, sondern ausschließlich gegen Gerste getauscht . Da das Bierbrauen zu den häuslichen Tugenden gehörte, war es Frauensache. König Hammurabi ließ eine Schankwirtin ertränken, wenn Sie sich in Silber bezahlen ließ. Ebenso wurde verfahren, wenn minderwertiges Bier in den Ausschank gelangte.
Ägypter 
führten die Tradition des Bierbrauens fort. Auch Sie benutzten direkt den ungebackenen Brotteig zur Bierherstellung. Noch heute stellen Bauern am Nil, die sogenannten Fellachen, ihr Bier auf diese Weise her. Die Ägypter gaben dem Sud Datteln hinzu, damit das Bier schmackhafter wurde. Welche Bedeutung das Bierbrauen auch im antiken Ägypten hatte, läßt sich an der Tatsache erkennen, daß die ägyptischen Schriftgelehrten ein eigenes Schriftzeichen für die Brauer einführten.
Gilgamesch 

Aus dem Gilgamesch-Epos - der im 3. Jahrtausend vor Christus niedergeschrieben wurde erfährt man, daß zur damaligen Zeit sowohl Brot als auch Bier von großer Bedeutung waren. Dieses Epos gilt als eines der ersten Großwerke der Weltliteratur. Alte mündliche Überlieferungen aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte wurden erstmals schriftlich niedergelegt. Der Gilgamesch-Epos beschreibt die Entwicklung vom Urmenschen zum "kultivierten Menschen". Enkidu, ein zottiger, beinahe tierhafter Urmensch, der Gras frißt und wilde Tiere melken kann, will seine Kräfte mit dem halbgottähnlichen Herrscher Gilgamesch messen. Gilgamesch schickt Enkidu, um mehr über dessen Stärken und Schwächen zu erfahren, vorsichtshalber eine Dirne, mit der Enkidu sich eine Woche lang vergnügt .
Die Dirne lehrt Enkidu die Zivilisation:
"(..)nicht wusste Enkidu, was Brot war und wie man es zu Essen pflegt. Auch Bier hat er noch nicht gelernt trinken. Da öffnete die Dirne Ihren Mund und sprach zu Enkidu: "Iss nun das Brot, o Enkidu, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es ist des Landes Brauch. (...)" Enkidu trank sieben Becher Bier und Ihm wurde leicht ums Herz. In dieser Verfassung wusch er sich und wurde so ein Mensch.
Nach der Ablösung der Ägypter durch Griechen und Römer wurde Bier weiterhin gebraut. Plinius berichtet von der Beliebtheit des Bieres im Mittelmeerraum bevor dort der Weinanbau Fuß faßte. In Rom selbst wurde der Wein zum Getränk der Götter (Bacchus). Nur in den Außenbezirken des römischen Imperiums, dort wo Wein nur schlecht gedieh, wurde Bier gebraut. Für die Römer, die fast nur Wein tranken, war Bier ein abscheulicher Trank der Barbaren. Tacitus, der als erster einen ausführlichen Bericht über die,
Germanen 
verfaßte, schrieb: "Als Getränk haben die Germanen ein schauerliches Gebräu, aus Gerste oder Weizen gegoren, ein Gebräu, welches mit Wein eine sehr entfernte Ähnlichkeit hat".
Das Bier in der damaligen Zeit war kaum haltbar, trüb und schäumte so gut wie überhaupt nicht.
Der älteste Nachweis dafür, daß Bier auf deutschem Boden gebraut wurde, stammt aus der frühen Hallstattzeit (also ca. 800 v. Christus). Denn genau auf diesen Zeitraum wurden Bieramphoren datiert, die in der Nähe von Kulmbach gefunden wurden. Einige Jahrhunderte nach Christi Geburt war Bier in Deutschland eine gängige Handelsware. Belegt wird dies durch den Fund des Bierverlegersteins, der in der Nähe von Trier entdeckt wurde.
Bei den Germanen galt das Bier nicht nur als Götteropfer, sondern wurde, wie bereits bei den Ägyptern, auch zum eigenen Verzehr gebraut und spielte in ihrem Leben eine wichtige Rolle. So sind in der finnischen Volksdichtung Kalewala dem Bier zum Beispiel 400 Verse gewidmet - für die Erschaffung der Welt reichten hingegen 200 Verse. Gemäß der Edda, dem großen nordischen Epos, war der Wein den Göttern vorbehalten, das Bier gehörte den Sterblichen und Met den Bewohnern des Totenreiches. Das Brotbacken und das Bierbrauen gehörte in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zu den Aufgaben der Frauen, das änderte sich erst im Mittelalter,
Bier im Mittelalter 

Das Brotbacken und das Bierbrauen gehörte in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zu den Aufgabender Frauen. Dies änderte sich erst kurz vor der Jahrtausendwende, als man begann sich in Klosterbrauereien mit der Braukunst zu beschäftigen. Der Grund warum Mönche sich intensiv dem Bierbrauen gewidmet haben, liegt darin, daß man ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Getränk zu den Mahlzeiten suchte, die vor allem in der Fastenzeit mehr als karg waren. Da die Einnahme von Flüssigem nicht als Bruch des Fastens gesehen wurde, war Bier immer erlaubt. Der Bierverbrauch in den Klöstern nahm recht erstaunliche Ausmaße an: Immerhin berichten die Chronisten, daß es jedem Mönch erlaubt war 5 Liter Bier am Tag zu sich zu nehmen.
Wie man auf diversen Gemälden sehen kann waren die Mönche mit der Zeit dem Bier sehr zugetan, doch schon nach kurzer Zeit fingen sie an, das Bier nicht nur für den eigenen Bedarf zu brauen. Gegen eine Gebühr erhielten die Mönche das Recht, Bier gewerblich zu vertreiben und somit entwickelten sich viele Klöster zu gut geführten Wirtschafts- betrieben. In sogenannten Klosterschenken wurde das Bier ausgeschenkt. Da die Klöster die Bierbrauerei sehr voran- trieben, waren die Biere entsprechend gut und beliebt. Auch in den aufblühenden Städten wollte man nicht auf Bier verzichten, mit der Folge, daß sich auch dort die Braukunst durchsetzte und zu einem angesehenen Handwerkszweig entwickelte. Die Landesfürsten führten Bierabgaben und Biersteuern ein, die für eine schnelle Füllung ihrer Kassen sorgten. Die Klosterschenken, die aufgrund des von ihnen erworbenen Rechtes keine Steuern zu zahlen brauchten, beeinträchtigten diese Einnahmequelle und viele von ihnen wurden von den jeweiligen Landesfürsten kurzerhand geschlossen. Kaiser Sigismund (1368-1437 n.Chr.) war der erste Kaiser, der einen derartigen Erlaß durchsetzte.
Auch wenn viele Klosterbrauereien von Landesfürsten geschlossen wurden, ist es ein wesentlicher Verdienst der Mönche, sich als erste wissenschaftlich mit dem Bier auseinandergesetzt zu haben. So soll zum Beispiel in Brabanter Klöstern erstmalig Hopfen zum Würzen des Bieres benutzt worden sein. Entsprechend läßt sich sichauch die Legende erklären, die dem Brabanter König
Gambrinus 
fälschlicherweise die Erfindung des Bieres zuschreibt - "Im Leben ward ich Gambrinus genannt, König zu Flandern und Brabant. Ich hab aus Gersten Malz gemacht und das Bierbrauen zuerst erdacht. Drum können die Brauer sagen, daß sie einen König zum Meister haben.er wird noch heute als Schutzpatron der Brauer verehrt. Die Verwendung von Hopfen für die Herstellung von Bier löste eine heftigen Streit aus, um das sogenannte
Grutrecht 
Die Grut war ein Gemisch aus allerlei Kräutern, die zum Würzen des Bieres verwendet wurden. Das sogenannte Grutrecht, welches einer Brauerei die Herstellung von Grut erlaubte, war die rechtliche Basis jeder Brauerei und sicherte den Braumeistern eine "Monopol"-Stellung. Durch die Verwendung von Hopfen wäre kein Grut mehr notwendig gewesen und somit wäre auch die Monopol- Stellung der Brauereien nicht mehr vorhanden gewesen. Aus diesem Grund wurde die Verwendung von Hopfen für die Herstellung von Bier erst einmal schlicht und ergreifend verboten. Unter anderem wanderten Wacholder, Gagel, Schlehe, Eichenrinde, Wermut, Kümmel, Anis, Lorbeer, Schafgarbe, Stechapfel, Enzian, Rosmarin, Rainfarn, Johanniskraut, Fichtenspäne, Kiefernwurzel - vor allem aber auch Bilsenkraut in diese Grut. Manche Kräuter waren ausgesprochen giftig, andere erzeugten Halluzinationen beim späteren Biertrinker. Aus dem Bilsenkraut bespielsweise entwickeln sich, wie wir heute wissen, halluzinogene Alkaloide während des Brauprozeßes. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, daß der Aberglaube eine große Rolle rund um den Braukessel spielte. Opfer dieses Aberglaubens waren vor allem die sogenannten
Bierhexen 
Da beim Bierbrauen häufig etwas daneben ging, was man sich aufgrund des damaligen Wissensstandes nicht immer erklären konnte, suchte man in vielen Fällen den Schuldigen im Bereich des Mystischen. Viele wundersame Kräutlein und kultische Gegenstände wurden auch noch im späteren Mittelalter um den Sudkessel herumgelegt, um böse Geister fernzuhalten. Dieser Aberglaube ging soweit, fehlgeschlagene Brauversuche sogenannten "Brauhexen" oder "Bierhexen" zuzuschreiben. Die letzte Verbrennung einer "Brauhexe" erfolgte im Jahre 1591. Dies kann man wohl als den "dunkelsten" Aspekt der Bierherstellung ansehen. Das Ende des Aberglaubens kam mit der Durchsetzung des Hopfens.
Auch wenn die Verwendung des Hopfens erst einmal verboten wurde, setzte sich dessen Verwendung auf Dauer durch. Zum einen wurde das Bier dadurch haltbarer und der Brauprozess stabiler. Es ging weniger schief und es mußten weniger "Schuldige" gesucht werden. Mit der Verwendung des Hopfens erhielt das Bier seinen "klaren Charakter". Das damalige Bier glich somit fast den uns heute bekannten Biersorten, sowohl geschmacklich als auch auf das Aussehen bezogen. Um nun eine gewisse Beständigkeit zu erzielen, und die Qualität der Brauereiergebnisse konstant zu halten, erließ 1516 der damalige bayrische Herzog Wilhelm IV. das sogenannte
Reinheitsgebot 
Durch diesen Erlaß wurde erstmalig festgelegt, daß zur Herstellung von Bier nur Gerste (später Gerstenmalz), Hopfen und reines Wasser benutzt werden durfte. Die Verwendung von Hefe war zur damaligen Zeit noch nicht bekannt und das Gelingen des Gärungsprozeßes blieb dem Zufall überlassen, da man ohne es zu wissen, auf Hefepartikel in der Luft angewiesen war. Dieses Reinheitsgebot ist bis heute die älteste, gültige lebensmittelrechtliche Verordnung der Welt. Die EG sah jedoch in diesem Verbot eine Wettbewerbsverzerrung. Folglich darf heute Bier importiert werden, welches nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde, auch wenn dies gesondert gekennzeichnet werden muß. Die deutschen Brauer halten sich jedoch weiterhin an ihre jahrhundertealte Tradition. Natürlich hatte das Reinheitsgebot von 1516 schon Vorläufer. So zum Beispiel eine Anordnung des damaligen Herzogs Georg von Bayers-Landshut, der im Jahre 1493 in seiner Biersatzordnung verkündete
"Item die Bierbräuer und andere sollen auch nichts zum Bier gebrauchen, denn allein Malz, Hopfen und Wasser, noch dieselben Bräuer auch durch die Bierschänken und andere nichts in das Bier thun, bey Vermeidung von Strafe an Leib und Gut."
Mit der Qualität des Bieres nahm auch dessen Verbreitung und damit der Export zu. Den weltweiten Export übernahm die
Hanse
Mit der Zeit nahm der Export einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Es entwickelten sich regelrechte Brauzentren. Im 14. Jahrhundert zum Beispiel war Bremen Hauptlieferant für den Export nach Holland, England und die skandinavischen Länder. Durch den weltweiten Export von Bier durch die Hanse entwickelte sich auch in Hamburg eines dieser Brauzentren. Um 1500 wurden in Hamburg alleine 600 Brauereien gezählt. Die Hanse exportierte deutsches Bier sogar bis in das entfernte Indien. In den kleinen mitteldeutschen und märkischen Gemeinden waren zu dieser Zeit die Brauereien die wichtigste Finanzquelle der städtischen Wirtschaft. Weitere deutsche Brauzentren waren Braunschweig und Einbeck. In Einbeck wurde das sogenannte Bockbier entwickelt, welches bei einem bayrischen Herzog soviel Anklang fand, daß er den Einbecker Braumeister kurzerhand abwarb. Eine alte Brautradition hat natürlich auch Berlin, der Residenzstadt des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.
Unter seiner Regentschaft wurde Bier "hoffähig". Sein legendäres "Tabakskollegium" war im Prinzip nichts anderes als die erste Stammtischrunde. Sein Sohn, später bekannt als Friedrich der Große, erlernte das Brauhandwerk schon in jungen Jahren. Die industrielle Entwicklung ging auch an den Bierbrauern nicht einfach vorüber und nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Anfang. Zwei grundlegende Erfindungen revolutionierten das Bierbrauen. Die erste war die von James Watt entwickelte Dampfmaschine und die zweite Erfindung stammt von Carl von Linde - die künstliche Kühlung. Zur damaligen Zeit wurde wissenschaftlich bewiesen, das für die Herstellung guten Bieres bestimmte Temperaturen erforderlich waren. Diese waren nur in den Wintermonaten gewährleistet, doch nun konnte auch während der Sommermonate gebraut werden.

Bier in der Neuzeit 

Dampfmaschine 1765
Mit dem Durchbruch der Dampfmaschine von James Watt beginnt auch der Einzug der Rationalisierung und Industriealisierung in den Brauprozeß. Die ersten Brauereien, die die Dampfmaschine einsetzen, nennen sich Dampfbierbrauereien. Noch heute gibt es die Bezeichnung Dampfbier eines bekannten deutschen Herstellers.
Biertransport 1835
Im Jahre 1835 wurde die erste Deutsche Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet. Das erste Transportgut war sonst würde es hier nicht erwähnt - 2 Fass Bier

Salvatorschlacht 1888
Die Bedeutung des Bieres und seines Preises stand zu allen Zeiten bei seinen deutschen Abnehmern im Mittelpunkt des Interesses. Welche Auswirkungen die Anhebung des Bierpreises zur Folge haben kann, zeigte im Jahre 1888 die Salvatorschlacht in München, bei der sich die Münchner Bürger gegen diese auflehnten.
Die industrielle Entwicklung ging auch an den Bierbrauern nicht einfach vorüber und nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Anfang. Zwei grundlegende Erfindungen revolutionierten das Bierbrauen. Als erste, wie bereits genannt, die Dampfmaschine, welche die Effizienz der Brauereien um ein Vielfaches zu steigern vermochte. Die zweite, noch wesentlichere Erfindung für die Bierherstellung, stammt von

Carl Linde 
Zur damaligen Zeit wurde wissenschaftlich bewiesen, daß für die Herstellung guten Bieres bestimmte Temperaturen erforderlich sind. Zur Herstellung von untergärigem Bier sind zum Beispiel Temperaturen von 4 bis 10 Grad Celsius notwendig. Diese Temperaturen waren nur in den Wintermonaten gewährleistet, und dies auch nur in tiefen Kellern. Und selbst in diese mußten Unmengen von Stangeneis gebracht werden. Durch die Erfindung der Kältemaschine von Carl Linde wurde das Bierbrauen saisonunabhängig. Entsprechend wurde die erste Kältemaschine in einer Münchner Brauerei getestet.
Louis Pasteur 
Im 19. Jahrhundert begann man auch die Bierbrauerei wissenschaftlich zu erforschen. Ein berühmtes Werk ist die aus dem Jahr 1876 von Louis Pasteur stammende Studie "Etudes sur la biere" (Studien über das Bier). Mit dieser Arbeit gewann Louis Pasteur seine Erkenntnisse über Mikroorganismen, die noch heute über die Getränkeherstellung hinaus in Biologie und Medizin fundamentales Wissen darstellen. (Sicherlich kennt jeder den Begriff "pasteurisiert" von Milchtüten aus dem Supermarkt). Louis Pasteur verdanken wir die Erkenntnis, daß die Bierhexen Opfer von unsauberer Arbeit und schlampigen Brauern waren. Eine weitere bahnbrechende Erfindung in der Bierbrauerei stammt von
Christian Hansen 
Dem Dänen gelang es eine einzelne Hefezelle zu isolieren und sie auf einem künstlichen Nährboden zur Vermehrung zu bringen. Mit der Hefezucht wurde der Gärprozeß reiner und das Bier geschmacklich noch einwandfreier.
Keg-Fässer 

Holzfässer wurden in den letzten Jahrzehnten immer mehr durch Metallfässer ersetzt. 1964 wurden die sogenannten Keg-Fässer vorgestellt. Zum einen wurde Reinigung und Befüllung wesentlich einfacherer, zum anderen wurde damit das An- und Abschlagen für den Wirt erleichtert. Dies ist vor allem von der Gastronomie sehr begrüßt worden. Die Keg-Fässer sind zylindrisch, bestehen aus Edelstahl und enthalten ein Steigrohr. Der Kohlensäuredruck verbleibt nach dem Abschlagen im Fass. Dadurch wird ein Antrocknen von Bierresten verhindert. Auch wenn unsere "Bier-Historie" hier zuende ist, sollte festgehalten werden, daß tausende deutsche Brauer und Millionen Konsumenten deutscher Biere sie tagtäglich fortschreiben.

Seit über 800 Jahren ist das Bierbrauen in Deutschland gesetzlich geregelt. Eine lange Tradition, der alle deutschen Brauer bis heute die Treue stehen: 1165 wurde erstmals in Augsburg eine Strafe für den Ausschank von "schlechtem" Bier erlassen. 1487 erließ Herzog Albrecht IV. eine Anordnung, durch die der Bierpreis einheitlich festgesetzt wurde. "Die Maß Winterbier solle ein Pfennig, die Maß Sommerbier zwei Pfennige kosten". Jeder Brauer hatte von nun an vor dem herzoglichen Rentmeister von Oberbayern einen PREU-AID (Brau-Eid) zu leisten, wonach er "zum dem Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser nehmen, dieses gewissenhaft sieden und nichts anderes dareintun wolle noch durch jemanden anderen eine Beigabe gestatten solle."Diese Anordnung wurde ursprünglich nur für München erlassen. Im Jahre 1987 wurde diese 500 Jahre alte Verordnung von den Münchener Brauern erneuert. Hier ist das Dokument 1493 erließ Herzog Georg der Reiche von Bayers-Landshut eine Verordnung, die 1516 auf ganz Bayern ausgedehnt wurde. Sie ist bekannt als


Das DEUTSCHE REINHEITSGEBOT 

Wie das Pier Summer vie Winter auf dem Land sol geschenkt und prauen werden, Item wir ordnen, setzen und wollen mit Rathe unnser Lanndtschaft das füran allenthalben in dem Fürstenthumb Bayrn auff dem Lande auch in unsern Stettn vie Märckthen da desáhalb hieuor kain sonndere ordnung gilt von Michaelis bis auff Georij ain mass oder kopffpiers über einen pfennig müncher werung un von Sant Jorgentag biß auf Michaelis die mass über zwen pfennig derselben werung und derenden der kopff ist über drey haller bey nachgeferter Pene nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. Wo auch ainer nit Merrzn sonder annder pier prawen oder sonst haben würde sol erd och das kains weg häher dann die maß umb ainen pfennig schenken und verkauffen. Wir wollen auch sonderlichen dass füran allenthalben in unsern stetten märckthen un auf dem lannde zu kainem pier merer stückh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn. Welcher aber dise unsere Ordnung wissendlich überfaren unnd nie hallten wurde den sol von seiner gerichtsobrigkait dasselbig vas pier zustraff unnachläßlich so offt es geschieht genommen werden. jedoch wo ain brüwirt von ainem ainem pierprewen in unnsern stettn märckten oder aufm lande jezuzeitn ainen Emer piers zwen oder drey kauffen und wider unnter den gemaynen pawrfuolck ausschenken würde dem selben allain aber sonstnyemandes soldyemaßs oder der kopfpiers umb ainen haller häher dann oben gesetzt ist zugeben un ausschencken erlaube unnd unuerpotn."

Bis in die heutige Zeit gilt diese Verordnung sinngemäß im
Deutschen Biersteuergesetz 

Die aktuelle Regelung der zulässigen Rohstoffe für die Erzeugung von Bier ist in §9 des Deutschen Biersteuergesetzes enthalten.

§9 Bierbereitung

1. Zur Bierbereitung von untergärigem Bier darf, abgesehen von den Vorschriften in den Absätzen 4 bis 6, nur Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden.

2. Die Bereitung von obergärigem Bier unterliegt derselben Vorschrift; es ist hierbei jedoch auch die Verwendung von anderem Malz und die Verwendung von technisch reinem Rohr-, Rüben- oder Invertzucker sowie von Stärkezucker und aus Zucker der bezeichnetet Art hergestellten Farbmitteln zulässig.

3. Unter Malz wird alles künstlich zum Keimen gebrachte Getreide verstanden.

4. Die Verwendung von Färbebieren, die nur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt sind, ist bei der Bierbereitung gestattet, unterliegt jedoch besonderen Überwachungsmaßnahmen.

5. An Stelle von Hopfen dürfen bei der Bierbereitung auch Hopfenpulver oder Hopfen in anderweitig zerkleinerter Form oder Hopfenauszüge verwendet werden, sofern diese Erzeugnisse den nachstehenden Anforderungen entsprechen.

1. Hopfenpulver und anderweitig zerkleinerter Hopfen sowie Hopfenauszüge müssen ausschließlich aus Hopfen gewonnen sein.

2. Hopfenauszüge müssen

a. die beim Sudverfahren in die Bierwürze übergehenden Stoffe des Hopfens oder dessen Aroma- und Bitterstoffe in einer Beschaffenheit enthalten, wie sie Hopfen vor oder bei dem Kochen in der Bierwürze aufweist.

b. Den Vorschriften des Lebensmittelrechts entsprechen.

Die Hopfenauszüge dürfen der Bierwürze nur vor Beginn oder während der Dauer des Würzekochens beigegeben werden.

6. Als Klärmittel für Würze und Bier dürfen nur solche Stoffe verwendet werden, die mechanisch oder absorbierend wirken und bis auf gesundheitlich, geruchlich und geschmacklich unbedenkliche, technisch unvermeidbare Anteile wieder ausgeschieden werden.

7. Auf Antrag kann im einzelnen Fall zugelassen werden, dass bei der Bereitung von besonderen Bieren und von Bier, das zur Ausfuhr oder zu wissenschaftlichen Versuchen bestimmt ist, von den Absätzen 1 und 2 abgewichen wird.

8. Die Vorschriften in den Absätzen 1 und 2 finden keine Anwendung für diejenigen Brauereien, die Bier nur für den Hausbedarf herstellen (Hausbrauer).

9. Der Zusatz von Wasser zum Bier durch Brauer nach Feststellung des Extraktgehaltes der Stammwürze im Gärkeller oder durch Bierhändler oder durch Wirte ist untersagt. Das Hauptzollamt kann Brauern unter den erforderlichen Sicherungsmaßnahmen den Zusatz von Wasser zum Bier nach Feststellung des Extraktgehaltes der Stammwürze im Gärkeller gestatten.

10. Die Vermischung von Einfachbier, Schankbier, Vollbier und Starkbier miteinander sowie der Zusatz von Zucker zum Bier durch Brauer nach Entstehung der Steuer oder durch Bierhändler oder Wirte ist untersagt. Der Bundesminister der Finanzen kann Ausnahmen zulassen.

11 Zur Herstellung von obergärigem Einfachbier kann nach Maßgabe der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung vom 20. Dezember 1977 in der jeweils geltenden Fassung Süßstoff verwendet werden.

Die deutschen Biertrinker bestehen auf die:


 Einhaltung des Reinheitsgebotes

Auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 12.März 1987 hat daran nichts geändert:
Wegen des freien Warenverkehrs innerhalb der Europäischen Union dürfen seitdem in Deutschland auch solche Biere verkauft werden, die nicht nach dem Reinheitsgebot hergestellt sind. Sie können andere Rohstoffe - wie etwa unver-mälzte Gerste, Mais, Reis oder Hirse - oder Zusatzstoffe enthalten, müssen aber eindeutig gekennzeichnet werden.
Allerdings gibt es solche Biere bisher nicht in nennenswertem Umfang auf dem deutschen Markt, weil Sie kaum vom Verbraucher angenommen werden. Im Gegenteil, große ausländische Brauereien orientieren sich am Willen deutscher Verbraucher, die Reinheitsgebotsbiere wünschen.

 Deutsches Bier - das reinste Vergnügen
"Man könnte froh sein, wenn die Luft so rein wäre wie das Bier"

Richard von Weizsäcker
Deutsches Bier, nach dem Reinheitsgebot gebraut, wird nur aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne Zusatzstoffe, die technologisch auch nicht notwendig sind. Offensichtlich bevorzugen die deutschen Verbraucher ein Bier aus natürlichen Rohstoffen, denn nicht nach dem Reinheitsgebot gebraute Biere haben in Deutschland kaum erwähnens-werte Marktanteile.
Ob es möglicherweise Kombinationswirkungen von Zusatzstoffen innerhalb der Gesamtnahrungsaufnahme des Menschen oder zwischen den Zusatzstoffen und den alkoholischen Verbindungen eines Getränkes gibt, ist für die deutschen Brauer nicht entscheidend: Ihr Bier wird auch weiterhin nur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt.
Und noch ein weiterer Gesichtspunkt ist von großer Bedeutung: Ungemälztes Getreide (Reis, Mais, Hirse, Maniok, usw.) und die daraus hergestellten Erzeugnisse wie Flocken und Grieß, sowie aus Zucker und Sirup, dienen bei der Bierherstellung nahezu ausschließlich als Quelle von Alkoholen und Kohlenhydraten.
Braumalz enthält viele ernährungsphysiologisch wichtige Verbindungen, die in das Bier übergehen. Biere, die ausschließlich aus Malz hergestellt werden, besitzen gegenüber Rohfruchtbieren eine durchweg höhere Nährstoffdichte und enthalten weniger Gärungsnebenprodukte, wie z.B. Fuselöle.
Das Reinheitsgebot ist auch heute noch die zeitgemäße Antwort auf die Furcht des Verbrauchers vor Zusatzstoffen in der Nahrung. Viele Ernährungsphysiologen sind sich darüber einig, daß der Verbraucher vor unbekannten oder in der wirkungsweise noch nicht hinreichend bekannten Zusatzstoffen in Lebensmitteln geschützt werden sollte.
Das gilt um so mehr für Produkte wie das Bier, welches auch ohne die Verwendung solcher Stoffe in bester Qualität hergestellt werden kann.
Die Bevölkerung hat die Garantie der deutschen Brauer, daß es keinerlei Abweichungen vom Reinheitsgebot geben wird.
Das Reinheitsgebot von 1516 ist und bleibt das wichtigste Qualitätsmerkmal für deutsches Bier. Die deutschen Brauer können dabei auf eine fast 500jährige Erfahrung mit dem Reinheitsgebot zurückgreifen, einen Vorsprung, den kein anderes Land hat.
Deutsches Bier ist das reinste Vergnügen seit 1516 und das wird es auch bleiben.

Quelle:
Gesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Brauwirtschaft e.V., BONN